Die Chronik des Glasmachers Georg Walter


histoire familiale / mardi, novembre 25th, 2008

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Der eigentliche Autor dieser Veröffentlichung wurde vor etwas mehr als 240 Jahre geboren. Ich möchte zunächst nur einen Auszug aus seiner Chronik wiedergeben. Danach möchte ich einige Erläuterungen und Hinweise dazu geben. Lassen wir also Georg WALTER zu Wort kommen :

 » Indem unsere Voreltern uns nichs Schiftliches hinterlassen haben, so dab wir von ihnen nichts weiter wissen, als was sie uns erzählten, so will ich ihre Aussagen hier einschreiben, was ich von ihnen vernommen, und was ich aus dem ältesten Kirchenbuch aus der Sucht, welches ich durchlesen, gefunden habe: bis zurück in das 1640 Jahr, nämlich von dem Aufkommen der Glashütten in den Waldungen des Bitscherlandes, damit die Nachkommenschaft nich in diesem, so wie wir, in Unwissenheit bleibt.

Unsere Eltern und Voreltern erzählten uns, dab die ersten Galshütten nur kleine Hütten waren, welche man Stützenhütten nannte, so dab man Bäume in den vier Ecken gerad aufrichtete und die Wände oder Seiten mit Holz zu machte, so wie auch das Dachwerk, alles auf eine sehr arme Art, indem sie alle arme Menschen waren.

Ich habe selbst noch Spuren von solchen Glashüttenplätzen in meiner Jugend in den Waldungen gesehen, nämlich eine in dem sogenannten Hützelthal, obig dem Meysenthal. Ich habe öfters auf dem Glasofen, welcher noch halb da gestanden, da ich das Vieh weidete, gesessen. Ein solches kleines Hüttlein ist gestanden in dem sogenannten Glasthal unten an der Meysenthaler Mühle. Eine in Meysenthal auf dem Platz, wo die heutige Glashütte steht. Eine unten an der Sucht bei dem Speckbronnen und an mehreren solcher Plätze, von welchen man nichts erfahren hat als allein die Spuren, welche man noch sah.

Diese kleine Glashüttchen bauten sie allzeit in die Thäler, dem Holz nach, und kleine hölzerne Häuschen dazu für ihre Wohnungen und blieben nur so lange, als sie das Holz dazu trollem konnten, als dann gingen sie eine andere aufrichten. Dies war meines Erachtens noch in den Jahren 1400 und 1500.

Nach diesem war die Glashütte Munzthal, von welcher ich die erste Erfahrnis habe. Sowie unsere Alten mir erzählten, so war Peter Walter unser aller Stammvater, der dort Glas gemacht in der Zeit des Dreib igjährigen Schwedenkrieges. So hat dieser ungefähr im Jahre 1644 im Münzthal gearbeitet gegen Ende des Schwedenkrieges. Wie man erzählt, so hatte er fünf Kinder, von welchen der Jüngste namens Adam Walter noch an seiner Mutter Brust trank, und die Mutter in der Sucht wohnhaft war, und dab damals eine Hungersnot war, denn die Dorfschaften in der ganzen Gegend waren alle unbewohnt, die Menschen haben sich alle gegen Frankreich geflüchtet aub er jene, welche sich in den Waldungen verborgen hatten. Es war kein Brot und kein Vieh mehr in der ganzen Gegend, also war ein grob er Mangel an Lebensmitteln. Die Menschen nährten sich meistens von Wildbret, Fischen und Vögeln, welches alles im Überflubin den vielen Waldungen war, allein die Kinder konnten diese Speisen nich so vertragen wie die Grob gewachsenen, so dab die meisten aus Mangel an Brot und Milch gestorben sind.

Nach der Erzählung unserer Eltern ging unsere Ururgrob mutter, nämlich die Frau des Peter Walther, auf Strab burg Brot einzukaufen und nahm ihr jüngstes Kind namens Adam Walter mit, der noch an ihrer Brust trank. Sie lieb die vier andern Kinder in der Sucht. Da sie mit dem Brot in der Sucht ankam, war ihre Magd mit den vier Kinder ins Münsthal gegangen. Die Mutter eilte ihren Kindern entgegen, um ihnen Brot zu bringen. Da sie an den Berg zwischen Sucht und Münzthal gekommen ist, kam ihr die Magd entgegen mit den Kinder den Berg hinunter. Die Mutter fragte: Wo ist denn das Annele ? Die Magd gab ihr weinend zur Antwort:  » Hier oben auf dem Berg ist das Kind mit unter einem Baum gestorben…  » Man kann sich denken, welche Schmerzen die Mutter empfunden hat. Nach diesem sind auch die drei anderen gestorben und blieb nur das jüngste bei Leben von welchem alle Walter in dieser Gegend abstammen.

Dieser verehelichte sich laut Eintragung im Suchter Kirchenbuch: Anno 1667, den 24. Oktober, ist zum Sakrament der Ehe gelangt und vom Pater Augustin Weistrof an seinem Kirchen-Ehrengang eingesegnet worden der ehr- und achtbare Junggeselle Adam Walter, Glasmacher, Peter Walter und Anna Stenger ihr ehelicher Sohn, und dir ehr- und tugendsame Jungfrau Maria, des Vinzens Betz, Glaser aus der Rosteig, und der Anna Dielenschneider ehelige Tochter. Zeugen waren neben anderen Johann Maurer und Matheis Stenger.

Die Glashütte Sucht ist meines Erachtens nach erbaut worden ungefähr 1620 laut Nachrichten, welches aber doch nichts Gewisses ist. So wie ich vermute, ist sie nach Abgang der Speckhommer Glashütte entstanden, durch dir nämlichen Glasmacher.

Wie unsere Eltern uns erzählten und wie ich selbsten im ältesten Suchter Kirchenbuch gesehen, hat sie den Namen Sucht auf folgende Weise bekommen: Die Glaser begehrten an die Bitscher Herrschaft einen Platz in ihren Waldungen, um eine Glashütte zu bauen, man fragte sie welchen Platz sie haben wollten, sie gaben zur Antwort, wir wissen es noch nicht; die Herrschaft sagte: So gehet und sucht, als dann haben sie diesen Platz aufgesucht und ihm den Namen Sucht gegeben, vorher nannte man das ganze Tal  » Kammerthal « ; diesen Namen hatte es von dem Kammerfelsen obig des Sucht.

Die ersten Hüttemeister, welch ich in dem Suchter Kirchenbuch gefunden habe in vielen Akten, waren namens Stenger, Sauter und Greiner, als Zeugen unterschrieben.

Die erste Kindtaufe, welche in diesem Buch eingeschrieben, ist 1644. Es war Göttel des Christoph Greiners Hüttenmeister eheliche Hausfrau. Nach diesem, das zweite, welches ist getauft worden, war Göttel des Johann Stengers Hüttenmeister eheliche Hausfrau 1648. In dem dritten, 1650, nannte sich der Vater Adam Stenger, Hüttenmeister auf der Glashütte Sucht. Pate ist gewesen Johann Stenger, Hüttenmeister auf der Rosteig.

In allen Ehe-, Tauf- und Totenakten finden sich Stenger bis 1670, welche Hüttenmeister waren, aber nicht so lange Greiner und Sauter. In der Sucht waren wenig Menschen und haben meistens ihre Kinder auf andern Orten taufen lassen.

1688 ist unser gemeldteter Urgrob vater gestorben, welcher der letzte Hüttenmeister in der Sucht war, sein Todesakt lautet also: den 2. Februar 1688 ist begraben worden der Ehrsame Adam Walter als gewesener Hüttenmeister, nachdem er zuvor den 1. um drei Uhr in Gott seelig entschlafen ist, liegt gegen dem grob en Kreuz gegen der Kirchentür.

Also war er in der Ehe 21 Jahr, hat sechs Kinder namens Stephan, Nikolaus, Peter, Martin (welcher letzte mein Grobvater war), Ursula und Margred, diese alle waren noch kleine Kinder. Die Urgrob mutter führte die Glashütte noch bis 1700, nachdem ist die Hütte abgegangen und die Glashütte Meysenthal erbaut worden anno 1702. Diese Jahreszahl hab ich noch öfters an der alten Hütte gesehen.

Die Glashütte wurde durch die drei Brüder Nikolaus, Stephan, Martin Walter; Stephan Stegner, Martin Burgun, mein anderer Grob vater, und dessen Bruder Nikolaus gebaut. Diese alle bauten sich grob e Häuser von Grund aus mit Holz und Scheuern an die Häuser. Sie baueten sich ein jeder eine Potaschhütte, und jeder machte seine Potasch selbsten. Sie lieb en ihre Asche in den Waldungen brennen, denn das Holz war im Überflub und ist sehr vieles verfault.

Die drei Brüder Walter haben ihrem Bruder Peter den ganzen Hof, welcher ihren Eltern war, übergeben, nämlich das Haus, welches man heute das Hofhaus nennt, wie auch das Hofgut, welches vorn um die Sucht herumliegt.

Die eine Schwester hat sich verehelicht auf Rahlingen, welche man die Hüttengred in Rahlingen nannte. Die andere Schwester in das Meysenthal bei der Lädenbach, allwo damals auch eine Glashütte war, welche ich, als ich 16 Jahre war, dort als eine alte Frau gesehen und mit ihr gesprochen habe, sie war noch die einzige von ihren Geschwistern am Leben.

1720 haben sich unsere Grob eltern entschlossen, noch eine Glashütte zu bauen für ihre Kinder. Sie erwählten als den Platz, den man damals die Götterbrück nannte, weil es ein dicker Wald war und der Weg von Saargemünd, Rohrbach und die umliegenden Ortschaften dadurch ging. Der Platz aber, wo die Glashütte steht, war ein sumpfiger nasser Platz, so haben die Bauersleut diesen Platz gebrückt mit hölzernen Stangen, eine an die andere, damit sir über diesen Platz fahren konnten mit ihren Fuhren aus Lothringen in das Elsab . Sie haben diesen Platz den Namen gegeben Götterbrück. Wie nachgehend der Namen Götzenbrück geworden, dies ist mir unbekannt.

Diese Glashütte haben eingerichtet die drei Brüder Nikolaus, Stephan, Martin Walter und Stephan Stenger, alle vier von Meisenthal. Der Martin Burgun, mein Grob vater, wie auch sein Bruder Nikolaus wollten keinen Anteil an diesem Unternehmen, weil sie sich zu schwach befanden. Deswegen beruften diese vier noch den fünften namens Peter Stenger von Waldenburg obig Phalzburg, welchem Stenger des Stephan Walter von Meisenthal seine Ehefrau Schwester war. Diesem gaben die vier von Meisenthal einen sechsten Teil der Glashütte und von den 600 Acker, welche sie in Erbbestand hatten. Zu dieser Glashütte baueten sie sich kleine Häuslein von Holz für ihre Arbeitern. Also führten diese alle diese Glashütte so lange selbsten bis sie grob e Kinder hatten. Nachdem solche denn das Glasmachen in Meisenthal gelernt haben, hat ein jeder von den Alten zwei von seinen auf die Götzenbrück getan. Nicolaus Walter, welcher der ältere von den drei Brüdern war, seine zwei Söhne Stephan und Caspar; Stephan Walter seine Söhne Johann und Caspar, welchen man den Langen nannte, Martin Walter, mein Grob vater, Christian und Martin, Nikolaus Hilt, welcher die Witwe von Stephan Stenger zur ehe genommen hat, einen Sohn von seinem Vortahrer namens Stephan Stenger und einen von seinem leiblichen Söhnen Peter Hild, welcher wohnhaft war auf dem Königsberg. Diese alle waren Glasmacher, arbeiteten alle selbsten in der Glashütte, aber nicht wie man heut zu Tag das Glas auf Stühlen macht, sondern ein jeder auf seinen Beinen. Ein jeder hat zwei hölzerne Brettlein auf seinen Beinen angeheftet, welche zwei Zoll breit waren und auf den Nebenseiten mit einem schmalen Eisen beschlagen. Ich selbst habe auch auf diese Art gearbeitet in meiner jungen Zeit. Ein Jahr auf dem Blinden-Walsch, ein Jahr auf dem Harberg, ein Jahr auf Montermé bei Charleville, eine Jahr auf der Glashütte von Vannes bei Vaucouleurs an dem ersten Ofen, da diese Glashütte isr erbaut worden im Jahr 1765, wie auch zu Meisenthal und Götzenbruck habe ich etwelche Monate gearbeitet. Nachdem habe ich mich auf Handelschaft und Reisen begeben und habe fünfzehn Jahre gereist in die Schweiz, Frankreich, Brabant und Holland. In Deutschland aber bin ich nich weiter gekommen als Frankfurt und dem Rheinstrom nach. Dieses schreibe ich damit man in der Nachweit noch Wissenschaft hat wie man in vorigen Zeiten gearbeitet hat bis 1800, da sind die Stühle zum Glasmachen aufgekommen.

Nachdem unsere Grob eltern seelig im Herrn entschlafen sind, so haben die Geschwister von Meisenthal und jene, welche in Götzenbruck wohnahft waren, alles hinterlassen von ihren Ältern, nämlich Meisenthal und Götzenbruck alle Güter und Glashütte in der Einigkeit mit einander geteilt ungefähr in den Jahren 1749/50.

Auch bauten unsere Grob eltern im Jahr 1725 eine Kapelle auf dem Platz, wo heute die Kirche ist, welche wir im Jahr 1813 erbauten. Ein jeder von Götzenbruck und Königsberg hat nach seinem Belieben zu diesem Bau beigetragen. Meisenthal und Götzenbruck waren vorher alle beide in der Pfarrel Sucht, alle mub ten dort getauft, verehelicht und begraben werden. 1802 haben wir zu Götzenbruck den ersten Kirchhof erhalten. 1807 haben wir das Pfarrhaus gebaut. 1809 haben die Bürger von Meisenthal und Schiersthal die erste Kirche in Meysenthal gebaut.

Die erste Suchter Kapelle ist, wie das erste Suchter Kirchenbuch lautet, im Jahre 1659 erbaut worden. Dieses Buch beschreibt also, dab die Glaser einhellig beschlossen haben, Gott zu Ehre eine kleine Kapelle zu bauen, allwo alle Glaser und Holzhauer ein jeder nach Vermögen dazu beigetragen hat. Diese ist eingewelht worden den 8. Juni am Fest der Heiligen Dreifaltigkeit. Diese Kapelle ist gestanden aub er dem Ort auf dem Hoffeld, ungefähr 200 Schritt hinter dem Pfarrhaus, oben an dem Weg gegen dem Kammerthal in welcher ich in meiner Jugend, da ich in der Sucht in die Schule ging, öfters war. Es war Platz ungefähr für dreib ig Personen. Anno 1668, als die liebe Leute auf der Glashütte durch Gottes Segen aufgekommen waren, haben sie sämtlich mit Herz und einhelligem Gemüth zur schuldigen Danksagung eine zierlichere Kapelle von Grund auf aufgebaut, und ist von Pater Augustin Weistorf, Societa Jesu, zum erstenmal darin der Heilige Gottesdienst den 4. Oktober gehalten worden. An dieser Kapelle war ein kleines Schulhäuslein, in welchem ich öfters in meiner Jugend war. Anno 1725 ist an diese Kapelle das Langhaus gebaut worden, und anno 1770 hat man die Kapelle abgebrochen, welche war, wo heut das Chor ist, wie auch das Schulhäuslein und die Kirche vergröb ert.

Hier sehen wir, wie unsere Vorfahrer für den Dienst Gottes besorgt waren und wir sind in unsern Zeiten öfterns so nachlässig.

Jetzt sing sie in der Ewigkeit, bald werden wir bei Ihnen sein, dienen wir Gott bis an das Ende. « 

Soweit Georg Walter mit seiner Niederschrift.

Befassen wir uns zuerst mit ihm selbst. Er wurde geboren am 19. Dezember 1741 in Meisenthal als zweitältester Sohn von Jakob Walter und Maria Burgun. Der Ursprung der Familie Burgun ist sehr unklar. Als sicher kann nur festgestellt werden, dab der Ahnherr Dionisius vor 1672 in Sucht war und etwa 1635 geboren ist. Er starb 1716 in Bettwiller bei einem seiner Kinder. Der Vorname Denis, wie er auf französisch heib t, könnte in Verbindung mit dem Familienname auf Burgund als Heimatland schliessen lassen, zumal auch öfters die Schreibweisen Bourgon und selbst Bourgogne auftreten.

Über seine Jugend schreibt Georg Walter selbst, und es besteht kein Grund, diese Angaben zu bezweifeln. Auf verschiedenen Hütten, wo er gearbeitet zu haben angibt, finde ich ihn in den entsprechenden Kirchenbüchern als Paten. Nur seine Zeitangabe bezüglich seiner Wanderschaft kann nicht stimmen. Nach dieser wäre er zwischen 19 und 20 Jahre unterwegs gewesen. Er selbst gibt an, er habe zwischen vier und fünf Jahre als Glasmacher gearbeitet und sei weitere 15 Jahre auf  » Handelschaft  » tätig gewesen. Wir wissen zwar nicht, wann er Meisenthal verlassen hat, aber das Jahr, wann er zurückgekehrt ist: es war Ende 1771. Er wäre somit erst elf Jahre alt gewesen, als er in die Fremde ging: dies ist unmöglich, 1766 ist er noch als Glasmacher in Vannes tätig. Seine  » Handelschaft  » kann somit nur fünf Jahr in Anspruch genommen haben. Handelt es sich hier um einen Druckfehler oder um einen Fehler bei der Abschrift ?

Wieder in der Heimat verheiratet er sich mit Ursula Walter, einer Verwandten. Sie gebar sechs Kinder, von denen nur drei am Leben blieben. 1781 zog er von Meisenthal nach Götzenbrück, wo er sich ein grob es Haus bauen lieb . Dieses wurde im März 1945 stark beschädigt und später abgerissen. Seine Frau starb 1788. Fünfzehn Monate später verheiratet er sich nochmals mit einer Verwandten, Barbara Heisler, die 24 Jahre jünger war. Von den drei Kindern aus dieser Ehe überlebte nur eines die Kinderjahre. Auch seine zweite Frau starb schon dreib igjährig 1796. Der von viel Leid geprüfte Mann ist gestorben am 20.01.1823 in Götzenbrück, dessen Hauptplatz nach ihm benannt ist.

Nun zur Chronik selbst. Das Original, das Georg Walter geschrieben hat, ist nich mehr vorhanden. Wir wissen auch nicht, wann sie geschrieben wurde. Aus einzelnen Ausführungen, insbesondere bezüglich der Glasmacherstühle und der 1813 erbauten Kirche in Götzenbrück (das letzte Datum, das er nennt), können wir annehmen, dab die Chronik um 1815 geschrieben wurde, er war somit über 70 Jahre alt.

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung dagegen ist uns gut bekannt. Der Druck schlieb t mit den Worten:  » Im Original Style ausgeschrieben durch Peter Berger, Paris den 1. Januar 1830 « . Sie wurde im gleichen Jahr durch die Buchdruckerer Joseph Völker in Saargemünd herausgegeben, in einer heute nicht mehr bekannten Anzahl. Die 13 Seiten umfassende Broschüre im Grob quart zu je 23 Zeilen wurde in den betreffenden Orten verteilt und war in deutscher Sprache abgefab t. 1866 erfolgte ein Nachdruck anläb lich der Einweihung der neuen Kirche in Götzenbrück.

Wer war dieser Peter Berger, der in Paris diese Chronik schrieb und drucken lieb ? Er war kein Glasmacher und entstammt auch keiner Glasmacherfamilie wie sein Familienname eventuell vermuten läb t. Sein Vater, Johann Michael, stammt aus Neuviller zwischen Zabern und Lützelstein.

Warum er nach Meisenthal kam ist unklar, er heiratete hier 1783 die Catharina Walter, Tochter von Peter und Catharina Walter (!), und wurde Glashändler und Wirt. Er hatte 13 Kinder, davon als zehntes Peter, den Herausgeber der Chronik. Dieser Peter Berger war Kaufmann, ein sehr tüchtiger und weitblickender Mann, auch er ging in das  » Glasgeschäft « . Er heiratete 1829 Maria Theresia Walter, eine Tochter von Nikolaus und Angela Walter und somit eine Enkelin vom Chronisten (Nikolaus Walter war sein Sohn und Direktor der Glashütte). Meisenthal und Götzenbrück hatten sich mittlerweile zu gröb eren Glashütten entwickelt und waren international bekannte Firmen. Er selbst war zuständig für den Verkauf der Glaswaren. Er gründete mehrere Handelsniederlassungen, so in Paris, London, Lausanne, Genf und New York. Seinen Sitz hatte er in Paris, von wo aus er alle Zweigstellen leitete. Nach seiner Rückkehr 1850 nach Götzenbrück war er praktisch Leiter des gesamten Unternehmens.

Ins Französische wurde die Chronik erst um 1930 übersetzt durch Georg Stenger, päpstlicher Prälat, zur Zeit, als er in Bitsch am Gymnasium Lehrer für Geschichte war. Eine selbständige Veröffentlichung in dieser Sprache erfolgte jedoch nicht. Erst 1971 brachte sie der 1982 verstorbend Herr Stephan Stenger als Anhang in seinem Werk  » Glashütten, Glasmacherstämme, Glasmacherleben im Bitscherland « . Diese hervorragende Arbeit war leider im Handel nich erhältlich und wird in einigen Jahrzehnten so selten wie die Chronik selbst sein.

Zum Abschlub noch einige Bemerkungen zum Inhalt der Chronik.

Georg Walter war natürlich klein Forscher. Aub er dem Kirchenbuch von Sucht hat er keine Urkunden eingesehen, er berichtet nur von dem, was er gehört, gesehen und miterlebt hat. Über die Gründung der Hütte und des Dorfes Sucht ist er sehr vorsichtig und setzt diese etwa auf das Jahr 1620. Er irrt sich nicht sehr, denn es war 1629. Wir erfahren dies von Peter Dithmar, Einnehmer der Grafschaft Bitsch, der in seiner Rechnungslegung für dieses Jahr u.a. schreibt:  » Es wurde bewilligt dem Leonard (Greiner) von Münschtahl dreib ig Tagewerke Holz zu schlagen im Ingrün in der Volksberger Sucht, um dort eine Glashütte zu errichten gemäb dem Pachtvertrag vom 23. Mai dieses Jahres… « . Die Angabe von Georg Walter über die Namensgebung des Ortes  » geht und sucht  » ist nur eine nette kleine Erzählung ohne geschichtlichen Hintergrund. Bereits 1577 nennt Thierry Alix, der Präsident der lothringischen Finanzkammer, diese Flurbezeichnung. Mit seiner Datierung der Stüzenhütten in der dortligen Gegend zwischen 1400 und 1500 ist er wohl ein Jahrhundert zu früh. Vor 1500 dürften in der Bitscher Gegend keine Glashütten gearbeitet haben.

Was uns als Genealogen interessiert, ist die Frage: Wie hieb en die ersten Glasmacher und wo kamen sie her ? Auch hier hilft uns der Bericht des vorhin zitierten Thierry Alix, der u.a. sagt:  » In Holbach ist eine Glashütte, in der allerhand Trinkgläser und kleine Fensterschreiben von einem Fub Breite und anderhalb Fub Höhe hergestellt werden. Die Glasmacher kommen aus dem Land Schwaben « . Hier darf die Bezeichnung  » Schwaben  » nich zu eng gedeutet werden.

1585 wird diese Hütte wegen Holzmangel nach Münztahl verlegt. Dort sind bezeugt Martin Greiner und Simon Stenger als Hüttenmeister. 1601 zahlt Martin Greiner 80 Gulden für sich und seine 8 Teilhaber: Stoffel Sigwart, Henzel Schürer, Ulrich Scheidhauer, Hans Schirer, Hans Greiner, Paulus Glaser, Endres Spessert und Heinrich Wincker.

1609 ist Martin Greiner schon tot. Seine resolute Witwe betreibt die Hütte weiter, bis ihr Sohn Johann sie übernimmt. 1625 sind bereits seine Söhne Nikolaus und Leonhard die Besitzer, wobei u.a. noch folgende Glasmacher beschäftig sind: Martin Sigwart, Adam Greiner, Andreas Stenger, Bastian Fleckenstein, Curz Betz, Georg de la Coure (wahrscheinlich Georg Hoff oder Imhoff) und Samuel Legros. Nach 1629 erfahren wir nichts mehr über diese Hütte, und 1661 wird berichtet, dab sie schon lange erloschen ist. Nur Georg Walter berichtet, dab sein Ahn Peter Walter dort 1644 noch gearbeitet habe.

Leonhard Greiner, der Gründer von Soucht 1629, kann dort nich allein gearbeitet haben, er wird eine Anzahl Glaser aus Münzthal mitgenommen haben, was sehr logisch ist. Die Gründung von Soucht erfolgte daher nicht von Speckbronn aus, wie Georg Walter berichtet. Hierbei ist es natürlich möglich, dab auch einige Glasmacher von dort kamen.

Der Gründer der Hütte erfreute sich dieser nur einige Jahre. 1638 ist er schon verstorben. In diesem Jahr ist Adam Stenger bereits alleiniger Hüttenmeister und Jahrzehnte land wird Soucht als  » Stengerhütte  » bezeichnet.

Mehr wissen wir allerdings über die ersten Meister nicht. Nur Georg Walter, der das älteste Kirchenbuch noch gelesen hat, berichtet, dab darin die Familiennamen Stenger, Sauter und Greiner bis 1670 immer wieder auftreten. Nicht so lange aber Sauter und Greiner. Dies mag im Kirchenbuch zutreffen, aber die Familie Sauter als Hüttenmeister war vorhanden. Mit Sicherheit war Veit Sauter von 1673 bis 1680 Hüttenmeister: wie aus der Rechnungslegung der Grafschaft Bitsch hervorgeht, zahlt er in all diesen Jahren 125 Franken Pacht. Als Arbeiter werden u.a. benannt: Johann Betz, Adam Walter, Zyprian Greiner, Veit Sauter stirbt am 14.06.1681. Erst danach kann Adam Walter die Glashütte übernommen haben, an der sein Vater Peter nach der Schlieb ung von Münzthal ebenfalls gearbeitet hat.

Doch zur Kernfrage: wo kamen diese Glasmacher her ? Nich weit von Soucht (weniger als 50 km) liegt Mattstall. Von dieser Hütte wissen wir, dab sie 1556 durch Ulrich Greiner von Finsterroth (südlich von Heilbronn) gegründet wurde. Dieser schreibt selbst in einem Reversal-Brief im Jahre 1556 :  » Ich Ulrich Greiner zu Finsterrot, bekenne … eine Glashütte zu bauen und zu machen auf ihrer Gnaden Buchwald zu Mattstall « . Auch der in der Chronik aufgeführte Christoph Greiner war der Sohn von Balthasar Glaser zu Neulautern, eines Nachkommen der Gründer dieser Hütte, Melchior und Peter 1505.

Mit den anderen Familien Stenger und Sigwart verhält es sich ähnlich: alle finden wir sie auf den Hütten südlich von Heilbronn. Hier begegnen wir auch einem Kuriosum: Mathias Stenger, Sohn von Hans und Sinnel NN., wird geboren ca. 1625 in Rosteig bei Neulautern und stirbt ca. 1671 in Rosteig im Elsab !

Es ist somit mehr als wahrscheinlich, dab eine Verbindung zwischen Finsterroth-Neulautern-Rosteig auf der einen und Mattstall-Rosteig-Münzthal und Soucht auf der anderen Seite bestand. Joseph Feisthauer fügt noch folgendes hinzu :  » Diese Herkunft ist umso wahrscheinlicher, als man eine aub erordentliche Übereinstimmung zwischen dem schwäbischen Dialekt und dem von unseren Glasmacherdörfern festgestellt, das so verschiedenen von dem Dialekt der anderen Dörfer der Umgebung ist. « 

Über die Herkunft der Familie Walter gibt uns der Chronist nichts an. Dieser Peter Walter war daher für mich lange Jahre der älteste Glasmacher dieses Namens. Es ist ein Familienname, der aus einem Vornamen entstanden ist. Man kann ihn keiner Region oder Landschaft zuordnen. Er kann überall und an verschiedenen Stellen entstanden sein. Herr Antoine Stenger aus Strab burg (früher Vallerystahl) machte mich vor einiger Zeit auf das Kirchenbuch von Marmoutier (Maursmünster) aufmerksam und überstandte mir eine Kopie, weil sich darin Eintragungen über Glasmacher aus dem Wölflingertal befinden. Hier fand ich tatsächlich schon 1625 die Geburt eines Johann Walter, Sohn von Valentin. Der Name seiner Frau wird nur mit Maria angegeben, so dab auch hier kein Rückschlub auf die Herkunft möglich ist. Eine Verbindung mit den Walter in Soucht konnte ich jedoch nich herstellen, denn Peter Walter mub vor 1625 geboren sein.

Bezüglich der Nachkommenschaft von Peter Walter und Adam gibt es nach meiner Auffassung doch Unklarheiten, und wenn er schreibt, dab von Adam Walter alle dieses Familiennamens in der dortigen Gegend abstammen, so habe ich daran Zweifel. Dieser Zweifel wird hervorgerufen durch die Person des Leonhard Walter. Dieser ist geboren etwa 1655 (eher früher) und heiratet am 18.10.1678 in Bockenheim (Sarre-Union) Anna Maria Hinsberger. Es is ganz gewib , dab er von Soucht kommt. Zeugen sind u.a. Veit Sauter und Maria Walter (wohl Maria Betz, die Ehefrau von Adam Walter). Leider werden bei der Ehe keine Eltern angegeben. Auch der Familienname seiner Frau ist durch den Holzhauer Georg Hinsberger (Hinsperger) seit 1653 in Soucht vertreten. Von diesem Leonhard Walter sind zwischen 1678 und 1689 sechs Kinder in der verschiedenen Kirchenbüchern nachweisbar. Erinnern wir uns an das Ereignis des Brotholens nach Strab burg, das Georg Walter in das Jahr 1644 setzt. Die Kinder waren alle noch klein, nichts spricht dagegen, dab das Ehepaar noch Kinder bekam ! Leonard wäre somit ein jüngerer Bruder von Adam. Aber trotzdem möchte ich hier Vorbehalte machen, denn es kann sich auch um eine andere Walter-Familie handeln, evtl. vom Wölfingerthal.

Auch bezüglich der Kinder von Adam Walter glaube ich, dab seine Aufzählung nicht vollständig ist. Zu den angeführten Töchtern Ursula und Margred kommt noch Anna Maria, geboren am 28.09.1679 in Soucht, getauft un Bockenheim, Paten waren Johann Nikolaus und Anna Maria Stenger. Hierzu kommt mit grob er Wahrscheinlichkeit noch Odilie. Wir haben bereits erfahren, dab Ursula Walter sich auf der Glashütte Eigenthal verheiratet hat. Dort finden wir auch Anna Maria, verheiratet mit Johann Stenger, die in Walscheid am 08.09.1700 ihr erstes Kind taufen lassen, während Odilie, verheiratet mit Balthazar Girard, ihr erstes Kind am 07.08.1698 taufen läb t.

Durch dir Anwesenheit der drei Schwestern ist es auch erklärlich, dab zwei ihrer Brüder dort heiraten: Johann Martin 1704 die Anna Stenger und 1711 Peter die Johanna Girard, während sonst in diesem Kirchenbuch keine Einwohner von Soucht erscheinen.

Die rührende und tragische Geschichte der Ehefrau von Peter Walter und ihrer Reise nach Strab burg (mindestens 65 km) mag sich zugetragen haben. Aber ich glaube, dab das Jahr 1644 zu spät angesetzt ist. Die Schreckensjahre der dortigen Gegend begannen 1632 und hatten ihren Höhepunkt von 1634 bis 1636, als die Schweden im Juni 1634 die Festung Bitsch, ca. 20 km entfernt, besetzten. 1641 hatte diese Stadt wieder eine lothringische Besatzung. Wenn auch der Friede, den Karl IV, von Lothringen mit Frankreich schlob , keine Dauer hatte, so bewegten sich die kriegerischen Ereignisse weit nördlich von der Bitscher Gegend. Vielleicht könnte man das Ereignis in das Jahr 1641 vorverlegen.

Es ist Schade, dab Georg Walter uns nicht alle Namen aus dem Kirchenbuch hinterlassen hat. Aber es waren auch nicht alle kirchlichen Handlungen eingetragen, denn Soucht war keine Pfarrel, und er sagt selbst:  » Die meisten lieben ihre Kinder auf anderen Orten taufen.  » Dies trifft auch zu. Wir finden sie u.a. in Lützelstein, Bockenheim, Waldhambach und Diemeringen, aber seltsamerweise nicht in dem näheren Siersthal und nur ganz vereinzelt in Bitsch.

Soweit meine Ausführungen über diese Chronik. Wenn diese auch keine wissenschaftliche Arbeit darstellt, so haben doch bedeutende Glasmacherforscher wie Marcus und Flory u.a. wiederholt auf sie hingewiesen. Alle jetzigen und späteren Forscher werden diese Chronik zumindest lesen müssen.

Ahnenreihe des Georg Walter

I PETER, Glasmacher

o ca. 1610 Münzthal ? † nach 1667 Soucht

¥ ca. 1635 STENGER Anna

Kinder :

1. Adam o ca. 1642 Soucht

2. Leonard o ca. 1655 ? ¥ Hinsberger Anna Maria v. Soucht

II1 ADAM, Glas- u. Hüttenmeister

o ca. 1642 Soucht † 02.02.1688 Soucht

¥ Soucht 24.10.1667 BETZ Maria, T. v. Vinzens B. v. Rosteig

Kinder :

1. Margarethe o ca. 1669 ¥ ESCHENBRENNER Jakob, v. Rahlingen

2. Stephan o 31.12.1671 ¥ SCHWERER Margarethe, v. Kourtzerode

3. Joh. Nikol. o ca. 1673 ¥ BRAUN Barbara

4. Odilie o ca. 1674 ¥ GIRARD Balthasar, v. Eigenthal

5. Ursula o ca. 1676 ¥ STENGER Peter, v. Eigenthal

6. Anna Maria o 28.09.1679 ¥ STENGER Johann, v. Eigenthal

7. Joh. Martin o 20.10.1681

8. Peter o 09.04.1684 ¥ GIRARD Johanna, v. Eigenthal

III7 JOHANN MARTIN, Glas- u. Hüttenmeister

o 20.10.1681 Soucht † nach 1727 Meisenthal

¥ Walscheid 1704 STENGER Anna, T. v. Hans St. v. Eigenthal

Kinder :

1. Dorothea o ca. 1706 ¥ STENGER Stephan, v. Meisenthal

2. Anna Maria o ca. 1708 ¥ SCHWERER Anton, v. Kourtzerode

3. Christian o ca. 1709 ¥ NEU Magdalene, Kl.Rederching

4. Martin o ca. 1710 ¥ FROLINGER Élis. Cath., Wingen

5. Jakob o ca. 1714 ¥ BURGUN Maria, v. Meisenthal

6. Hans Georg o 15.08.1722 ¥ DEHLINGER Maria, v. Achen

7. Adam o 13.04.1725

IV5 JAKOB, Glas- u. Hüttenmeister

1714 Meisenthal † 15.01.1762 Meisenthal

¥ Soucht 24.11.1739 BURGUN Marie, T. v. Martin B., Meisenthal

Kinder :

1. Joh. Adam o 04.10.1740

2. Joh. Georg o 19.12.1741

3. Anna Maria o 28.04.1744 ¥ HAUDERT Nikolaus, v. Königsberg

4. Stephan o 11.03.1747 ¥ SCHWORER Cath., v. Meisenthal

5. Adam o 02.04.1749

6. Maria Ursula o 31.01.1751 ¥ HERR Franz Anton, Ittersviller

7. Adam o 05.10.1755

8. Martin o 1756 ¥ FRANKHAUSER Magdalene, Soucht

9. Nikolaus o 18.04.1758 ¥ BURGUN Elisabeth, v. Meisenthal

V2 GEORG, der Verfasser der Chronik

19.12.1741 Meisenthal † 20.01.1823 Götzenbrück

¥ 1 Soucht 11.02.1772 WALTER Ursula, T. v. Bernhard W., Meisenthal

¥ 2 09.02.1790 HEISLER Barbara, T. v. Christian H., Götzenbrück

Kinder :

1. Martin o 05.05.1775 † 1775

2. Ursula o 24.07.1776 † 1778

3. Adam Legere o 02.10.1777 ¥ WALTER Maria Cath., Meisenthal

4. Nikolaus o 14.04.1780 ¥ WALTER Angela, Meisenthal

5. Maria Magdal. o 30.11.1781 ¥ PAULY Nikolaus, Puttelange

6. Maria Anna o 04.01.1784 † 1784

7. Joseph o 20.03.1791 † 1794

8. Élisabeth o 1793 auf der Mühle Zinswiller, wegen der Unruhen der

Revolution ¥ TORLOTIN Martin, der Sohn des Lehrers in Soucht

9. Felix o 18.05.1794 † 1803

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